Mittwoch, 6. Juli 2016

"Hast Du den gemacht?"

...fragte mein Sohn mich neulich als ich einen gekauften Pullover trug.
Ich: "Nein. Den habe ich nicht genäht."
Er: "Wer hat den denn gemacht?"
Ich: "Das war jemand, der ganz weit weg wohnt."
Er: "Ja, aber WER denn?"
Ich: "Das weiß ich leider nicht." (Und vermutlich weiß nicht mal der Fabrikleiter vor Ort, wer's war...)
Er: "Warum nicht?"

Uff.
Da wären wir wieder bei dem Thema, das mich immer stärker beschäftig und beeinflusst. Nicht zuletzt auch durch die wirklich tolle "This is not okay!" Aktion von Mamimade.
Also, ich tue mich seit dem Katalog zur Aktion extreeeem schwer damit, mir Kleidung zu kaufen. Und wenn ich mich richtig erinnere, habe ich seit dem nur eine neue Jeanshose gekauft und die ist von HessNatur.
Naja, klar, ich weiß auch nicht wer die Hose von HessNatur genäht hat. Aber wenn ich mir bei dem Pullover mit der großen springenden Wildkatze drauf vorstelle, wer die Hose genäht hat, dann sehe ich immer das gleiche Bild: zuviele unterbezahlte Menschen auf zu kleinem Raum, die zuviele Stunden schufften... Und mir wird unwohl, den Pullover noch weiter zu tragen...
Um dem Gefühl ein wenig entgegen zu wirken, habe ich ein paar alten Klamotten neues Leben eingehaucht. Oben seht ihr zwei T-Shirts vom Papa, die ich für meinen Sohn verkleinert habe. Ich mag die Fahrplankassette total. Leider ist meine liebste Musik, Drum'N Bass, oben am rechten Ärmel abgeschnitten. Ich weiß, wer die Musik kennt, sagt bestimmt "Arx, viel zu hektisch". Aber genau das mag ich! Das weckt wahnsinnig viel Energie in mir :)
Welche Musik hört ihr eigentlich am liebsten? Ist die vielleicht sogar auf der Karte drauf?
Für meine Tochter wurde ein altes Stillshirt meiner Schwester verkleinert und...
...zu einem Kleidchen mit kleinen Kappärmeln gemacht.

Das waren die nachdenklichen Worte zum Mittwoch! Habt noch ein schönes Bergfest ;)

Schnitt: ReBoBo Größe 116 verbreitert; Kleidchen freihand
Stoffe: alte Shirts
Verlinkt: SewMini, Made4Boys, Meitlisachen

Kommentare:

  1. Liebe yva
    Das ist wirklich ein intensives Thema, mit dem ich mich, seit ich nähe, auch viel mehr auseinander setze. Und ich würde behaupten, ich gehe bewusster mit Kleidung um.
    Allerdings, kaufe ich immer noch Kleidung. Einmal weil ich einfach nicht für sieben Leute nähen kann. Dazu fehlen mir ein paar Stunden täglich, sowie das können im Bereich der Erwachsenen Kleidung. Außerdem wollen die großen Mädchen auch nicht mehr unbedingt Mamas genähtes anziehen und das muss ich Ihnen zugestehen. Ich versuche zwar, Ihnen ein Bewusstsein für die Kleider Produktion beizubringen, aber im Moment muss es eben Modern und bestimmte Marken sein. Ich versuche bei den jüngeren viel aufzutragen was noch vorhanden oder eben zu nähen. So als Ausgleich ;-)
    Dein upcycling ist klasse geworden!
    Liebe grüße
    Maria

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  2. Ein toller Beitrag, liebe Yva! Mir geht es ähnlich. Mein Kind ist mittlerweile gewohnt, dass alles, was sie trägt von mir genäht ist, mit Ausnahme der Socken und Strumpfhosen... bin gespannt, wann bei uns eine ähnliche Frage auftaucht!
    Liebste Grüße
    Mara Zeitspieler

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  3. Ich denke, wegwerfen wäre im Fall Deines Pullovers noch schlimmer, denn das hieße die Arbeit der unterbezahlten Leute irgendwo nicht wenigstens zu schätzen. Und das ist ja eine weitere positive Seite des selbst nähens - ich erkenne eine sorgfältige, schöne und sauber gearbeitete Näherei, weiß das zu schätzen.
    Viel von unserem Wohlstand beruht auf der Ausbeutung anderer Nationen, andererseits waren wir selbst mal eine solche Nation. Und durch Geld das dort hin fließt können sich diese Länder verbessern, weiter entwickeln, ihre Kinder in die Schule schicken. Da können Nationen, die noch keine Industriezweige aufgebaut haben davon träumen. Arbeit ist nämlich keine Fluchtursache, sondern KEINE Arbeit. Von daher denke ich dass die Nähende Minderheit sich dieser Probleme zumindest bewusst ist. Wie man nun am einwandfreisten Konsumiert kann wohl keiner ganz genau sagen. Jemand sagte mal "Glaube keiner Statistik, es sei denn du hast sie selbst gefälscht", will sagen man kann sich vieles wohl irgendwie hinrechnen.
    Aber durch bewusste Nutzung und Upcycling schont man Ressourcen und sorgt für weniger Umweltzerstörung.
    Liebe Grüsse,
    Martina

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  4. Liebe Yva,
    Gut geschrieben!
    Ich glaube, dass mein letztes gekauftes Kleidungsstück Feinstrumpfhosen waren. Da wüsst ich nicht, wie ich das ersetzen sollte. Ansonsten Kauf ich echt seit ca 2 Jahren gar nichts mehr für mich (außer Stoffen) und auch bei den Kindern ist es nur die ein oder andere Strumpfhose und Sockennachschub ;-)
    Meine Kinder erzählen auch immer allen, die beispielsweise ihre Mützen bewundern, dass die die Mama genäht hat - das ist schon witzig. David bietet sogar anderen Menschen einfach an, dass ich ja mal was für sie nähen könnte :-D
    Ach so, und ich hör übrigens am liebsten Klassik...aber wann war ich das letzte Mal in einem symphonischen Konzert?!? Buhu...
    Liebe Grüße
    Uli

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    1. Und jetzt hab ich glatt vergessen, deine Upcycling-Projekte zu loben ^^
      Die find ich nämlich sehr gelungen ;-)

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  5. Liebe Yva,

    Musik ist bei mir immer stimmungsabhängig...Ich höre sehr gern klassische Musik, magst rockig, liebe es mal ein paar Charthits mitzusingen und auch Drum'n Bass mag ich gern...Lieber aber noch Elektroswing :-D
    Bezüglich der Kleidung bemühe ich mich auch alles selbst zu machen und bisher gelingt das ganz gut! Allerdings flößt mir der definitiv kommende Winter etwas Respekt ein, denn wenns matschig und kalt wird, ist es immer schwierig mit den selbstgenähten Sachen...Ich kann keine Klamotten mehr kaufen und kann nur kopfschüttelnd an den Massen vorbei laufen, die wie die irren ins kürzlich neu eröffnete Pr....k rammeln und mit vollgestopften Tüten wieder herauskommen. Ich kann aber auch keine Fleisch mehr kaufen etc...Wenn man einmal angefangen hat sich die Misere vor Augen zu führen, wird es schwierig das wieder aus dem Kopf zu bekommen... Also gleich in diesem Bewusstsein Leiden und schon die Kinder informieren. So macht man die Welt ein Stück besser!
    Süßes Kleid
    Liebste Grüße
    Julia

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  6. Dieses Thema beschäftigt mich auch immer wieder, nicht erst seit ich selbst so viel nähe, aber seitdem noch viel mehr. Ich habe mir schon ewig nichts mehr zum Anziehen gekauft - zuletzte Unterhosen, fair gehandelt. Die Kinder tragen zumindest keine gekauften Oberteile, die meisten Hosen sind schon gekauft, gerade die Jungs argbeiten so viele Hosen so schnell durch, das kann ich einfach nicht leisten. Aber ich kaufe die Jungshosen Secondhand. Ich finde, dass das auch schon ein guter Ansatz ist. Wenn ich neue Sachen kaufe, versuche, Kleiderdiscounter zu meiden und wenn möglich, fair gehandelte Sachen zu kaufen. Die haben ihren Preis, aber viele Sachen tragen hier ja auch 4 Kinder, das lohnt sich so oder so.

    Musikmäßig bin ich vielseitig. Bob geht immer, sagt mein Mann immer und das stimmt auch. Bob D. geht immer. ;)
    Ansonten quer durch, Britpop, Hiphop, guter alter Rock, früher auch mal Techno, das jetzt weniger, durchaus auch Drum'N Bass (finde ich übrigens gar nicht hektisch), auch Klassik, kommt einfach sehr auf die Stimmung an.

    Liebe Grüße
    Lilo

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  7. ja das mit der nähindustrie ist echt ein aktuelles thema. wenn viel mehr menschen bewusst einkaufen würden... naja..
    auf jeden fall gefallen mir deine aufgearbeiteten Shirts total gut. Magst du sie beim Upcycling teilen? da würden sie perfekt hin passen: http://www.facileetbeaugusta.de/2016/07/upcycling-linkparty-im-juli.html

    Liebe Grüße
    Gusta
    p.s. am liebsten höre ich house und drum'n'bass *g*

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  8. Recycling finde ich immer super und ich genieße es das jetzt machen zu können, wo ich doch jetzt halbwegs nähen kann ... Klamottentechnisch bin ich für mich eh Minimalist ... und Musik ... da gibts von Klassik über Klezmer bis zu gutem Hardrock viel Auswahl :-) LG Ingrid

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  9. Da sagst du was. Ich bräuchte eigentlich dringend schlichte, neutrale T-Shirts. Meine Lust welche zu nähen ist allerdings mäßig. Aber kaufen mag ich sie eigentlich auch nicht. Einerseits wegen des schlechten Gewissens- eben weil ich genau weiß wieviel Arbeit es ist und dass sich der/die Näher(in)am Ende des Tages vielleicht gerade mal sein Essen leisten kann. Und ich mit der Qualität der letzten Kauft-Tshirts nicht glücklich war... Schwierig...
    Und du weißt ja, dass ich großer Upcycling-Freund bin. Hier werden die Klamotten/Schuhe etc getragen bis sie auseinander fallen. Dann ggf. für die Jungs weiterverwertet. Die Sachen die noch super sind, aber nicht mehr passen/gefallen, spenden wir. Dann profitieren zu mindest noch andere davon.
    Ich finde, wenn man einkaufen geht, ist es vorallem wichtig bewusst mit dem Thema umzugehen. Brauche ich das wirklich? Gefällt es mir auch morgen noch? etc. Und wenn man es gekauft hat auch tragen und nicht im Schrank vergammeln lassen... ;-)
    LG Miriam

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Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar! Ich freue mich immer wieder sehr darüber :)